Verkehr

Der Asphalt brennt

Burn041 - F.Ahrenheidt (www.deviantart.com)04/red-sg

Seit sich die Höllenreiter auf unseren Straßen tummeln, tut sich eine deutlich sichtbare Kluft auf zwischen dem Otto Normal-Fahrer mit TÜV-Plakette und Einparkhilfe und den schwarz gekleideten Bikern mit der kreativ-dynamischen Fahrweise und dem modischen Statement in Form eines knochenbleichen Schädels auf der Lederjacke. Doch aufgepasst, nicht jeder Biker ist ein Anhänger des vergleichsweise liebenswerten Bundes der Hells Angels oder Bandidos, es gibt da auch andere Kaliber …

Höllenreiter – Verkehrsrisiko oder verantwortungsbewusste KFZ-Führer?

Auch hier setzt der Schattenwelt-Report konsequent auf Aufklärung und hat die Herren mit den heißen Reifen und den brennenden Augen um ein Interview gebeten, um so hoffentlich das eine oder andere Vorurteil, ihre Rolle als verantwortungsvolle Verkehrsteilnehmer betreffend, ad absurdum zu führen.

Die Höllenreiter erscheinen zu viert zum Termin in unserem Redaktionsgebäude. Ihr Anführer Amon ist leider nicht dabei. Auf unsere Frage hin, erklärt man uns mit einem amüsierten Grinsen, er ließe sich in einem Bikershop hinsichtlich des Einbaus eines geeichten Tachos beraten.

Kay und Jennifer wechseln einen besorgten Blick, das scheint hier ähnlich kritisch zu werden wie das Interview mit der Vampirkönigin Cassandra. Immerhin findet es nach den letzten Höllenerfahrungen mit Thanatos dieses Mal in der siebenfach gegen Magie und extradimensionale Energien gesicherten Redaktion des Schattenwelt-Reports statt.

SW-R: „Zunächst einmal Danke, dass ihr unserer Einladung gefolgt seid. Dort in den Schälchen findet ihr Nusstaler und vegane Schokokekse. Der Kaffee steht auch schon bereit. Milch? Zucker?“

Az mustert stirnrunzelnd unseren Konferenztisch. „Warum tischt ihr uns nicht gleich warmes Wasser mit Blümchengeschmack auf?“

Gelal nimmt derweil einen Keks in die Hand und dreht ihn hin und her. „Vegan, hm? Wirklich putzig.“

Er wirft ihn achtlos beiseite und fläzt sich auf den Stuhl. Kay grinst und drückt Jennifer auch in einen der Stühle, bevor sie sich selbst setzt. Ernährungstipps für Paranormale sind einem anderen Artikel vorbehalten.

Gelal: „Dann leg mal los mit deinen schlauen Fragen.“

SW-R: „Nun, wie ihr sicherlich mitbekommen habt, gibt es seitens der normalen Bürger zunehmend Ressentiments in Bezug auf eure Tauglichkeit als verantwortungsvolle Verkehrsteilnehmer. Damit gefährdet ihr das fragile Gleichgewicht zwischen der Norm- und Schattenwelt.“

Az wechselt einen Blick mit Gelal und grinst: „Im Ernst jetzt? Kann ich mir überhaupt nicht erklären.“

SW-R: „Beispielsweise heißt es, dass ihr euch grundsätzlich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen haltet und niemals Helme tragt …“

Az: „Wenn die Leute das erkennen können, sind wir definitiv zu langsam unterwegs.“

Raym: „Helmen fehlt allgemein dieser dämonische „Bad Guy“-Touch, verstehst du? Ich meine, wie sähe das denn aus? Da kommen wir mit unseren schweren bollernden, rauchspuckenden Teufelsmaschinen daher – und tragen bunte Helme mit Flammenstickern, Rallyestreifen und einer Glasscheibe vor der Nase? Am besten noch mit Freisprecheinrichtung … Absolutes No go!“

Gelal: „Als nächstes sollen wir noch vor Zebrastreifen bremsen – wegen der Verkehrssicherheit.“
Dabei malt er mit den Fingern imaginäre Anführungszeichen in die Luft.

Die Höllenreiter als Marke der Schattenwelt

Raym: „Wir müssen an unser Image denken. Die Höllenreiter, das ist mittlerweile eine Marke geworden, die wir unmöglich mit solchem imageschädlichen Firlefanz wie der StVO verwässern können, das versteht ihr doch.“

SW-R: „Durchaus, durchaus.“

Während Jennifer sich eifrig Notizen macht, schielt sie zu Kay. Es ist klar, dass hier verkehrspolitische Erwägungen ebenso wie Hinweise auf die diplomatischen Beziehungen zwischen Norm- und Schattenwelt nicht weiterführen werden. Um den Mist soll sich die S.E. Schatten kümmern.

SW-R: „Nun gut. Könnt ihr uns und unseren technikbegeisterten Lesern ein wenig zu euren Motorrädern erzählen? Was für Typen fahrt ihr? Welche Extras besitzen sie und wie sieht es mit dem Verbrauch aus?“

Legba: „Ich fahre eine Hellraiser der zweiten Generation mit Schwefeleinspritzung. Die Vorderradgabel wurde aus den Schwertern gefallener Kreuzritter geschmiedet. Leider lässt die Federung zu wünschen übrig. Aber ich hätte auch nicht gedacht, dass die hiesigen Straßen in derart miserablem Zustand sind. Wofür zum Teufel zahle ich eigentlich keine Steuern?“

Az: „Mein Baby ist eine Rolling Banshee mit Screamin‘ Souls Auspuffanlage …“

Legba: „… und einer StVO-zugelassenen Lichtanlage.“ Er schüttelt fassungslos den Kopf. „Jetzt mal im Ernst, Az, Blinker? Ich bitte dich!“

Az: „Ja, ich stehe dazu, Eidbruder. In dem warmgelben Licht sehen meine Gesichtszüge viel dämonischer aus.“

Raym lächelt unschuldig: „Mein Bike ist eine ordinäre Harley Night Train – mit dem einen oder anderen Umbau.“

Legba: „Er hat die Sitzbank mit Märtyterhaut beziehen lassen und der schwarze Lack ist eine Sonderfarbe, angemischt aus Scheiterhaufenruß und … war es Pestbeulensekret, Raym? Bah!“

Az: „Aber über meine Blinker lästern …“

Gelal: „Na, ein Fahrrichtungsanzeiger ist nun wirklich der Gipfel der Geschmacklosigkeit, Az.“ Dann räuspert er sich und wendet sich wieder an uns: Ich fahre übrigens eine Bad Omen mit integriertem Body-Counter und diesem endgeilen Death Wish-Sound, den die modernen Motoren einfach nicht mehr von sich geben.“

SW-R: „Und wie sieht es mit dem Verbrauch aus? Womit betankt ihr eure Maschinen? Schweiß und Tränen? Blut der Verdammten?“

Az: „Super Plus.“

Gelal: „Unsere verfluchten Karren saufen so viel Sprit, dass man damit eine aufstrebende Industrienation nachhaltig ruinieren könnte. An der globalen Rohspoffknappheit sind wir vielleicht nicht ganz unbeteiligt.“

SW-R: „Oh, verstehe …

Kay grinst, es wäre sicherlich lustig, diese Kerle dem Drachen vorzustellen. Oder vielleicht auch nicht …

SW-R: „Nun, könnt ihr uns noch sagen, wann und wo ihr eure Fahrerlaubnis erworben habt?“

Auf diese Fragen wechseln die Vier verständnislose Blicke.

Gelal: „Du meinst so einen Wisch, wo draufsteht, dass ich machen darf, was ich sowieso mache?“

Az: „Wofür brauchen wir den?“

SW-R: „Nun, damit weist ihr nach, dass ihr fähig seid, ein Kraftfahrzeug zu führen …“

HarleyLegba knurrt missbilligend:Mein Bike ist kein Hundchen; das wird geritten, nicht geführt! Manchmal wirft es mich ab und richtet anschließend ein paar Kollateralschäden an, wenn es reiterlos durch die Gegend tobt, aber hey, das verleiht der Sache diese gewisse Würze.“

Kollateralschäden sind unvermeidlich

SW-R: „Ihr habt also schon Unfälle verursacht?“

Gelal antwortet gedehnt: „Ein kleiner Bagatellschaden hier und da ist unvermeidbar, wenn man einige Jahrhunderte unterwegs ist. Ein abrasierter Außenspiegel, eine Schramme in einer Autotür …“

Legba: „… ein sich auftuender Höllenschlund am Kamener Kreuz, der sämtliche Linke-Spur- Trödler verschlingt, die unser Fortkommen erschweren – Marginalien halt.“

Raym zupft an der Unterlippe.Was war mit diesem Bus der theologischen Fakultät, der auf der Pilgerfahrt nach …“

Az: „Der zählt nicht. Die haben uns provoziert.“

Raym: „Die haben sich lediglich bekreuzigt, als wir sie überholt haben.“

Legba: „Eben! Provokation. Kann ich auf den Tod nicht ab.“

SW-R: „Ihr sprecht von dem tragischen Unfall mit einem Reisebus, bei dem zweiundzwanzig Theologiestudenten …? Der hat die S.E. Schatten mehrere Wochen …“

Legba: „Nein, nein. Damit haben wir nichts zu tun.“

Gelal: „Außerdem waren es dreiundzwanzig. Einer hatte sich im Gepäckfach versteckt.“

Kay beneidet Jennifer um ihren Notizblock, auf den sie sich gerade sehr zu konzentrieren scheint. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Redaktion scheinen ihr plötzlich gar nicht mehr so übertrieben zu sein.

SW-R: „Was uns alle brennend interessiert: Wenn ihr auf einen PKW umsteigen müsstet, für welches Modell würdet ihr euch entscheiden?“

Gelal: „Oha, das ist schwierig. Einen Leopard II vielleicht.“

Legba: „Egal, solange die Auspuffanlage den ultimativen Sound des Verderbens hat.“

Az: „Und Blinker! Ich stehe auf Blinker.“

Raym: „Ich hätte gern einen Eiswagen.“ Seine Eidbrüder starren ihn an. Aber das tun wir vom Schattenwelt-Report auch.

Raym: „Was jetzt? Ich mag diese Bimmelmelodie. Außerdem ist es ganz nett, mal was Kühles im Laderaum zu haben statt ewig Höllenfeuer im Tank.“

Kay seufzt.

SW-R: „Eine allerletzte Frage: Was steht auf euren Kennzeichen?“

Gelal: „HELL YEAH natürlich.“

Jennifers Stift bricht ab. Das ist ein Zeichen.

SW-R: „Vielen Dank für euren Besuch und das erhellende Interview, das uns allen hoffentlich klargemacht hat, wie wichtig Toleranz für verschiedene Lebensstile auch im Straßenverkehr ist…“

Gelal: „Ähm, hör mal, wem gehört eigentlich der schicke Porsche unten in der Tiefgarage?“

SW-R: „Unserem Herausgeber. Warum?“

Gelal: „Uns ist da möglicherweise ein winziges Missgeschick beim Einparken passiert … Legba hat seinen koffeinhaltigen Sulfur-to-go aus Versehen gegen den Lack geplempert.“

Legba: „Hat ein Loch durch den Kotflügel gefressen. Aber keine Sorge, den Schwelbrand konnten wir ersticken, bevor er den Tank erreichte.“

Raym: „… welchen wir aber vorsichtshalber mit einigen Schüssen perforiert haben. Wollten ja nicht, dass euer ganzes Gebäude in die Luft fliegt.“

Gelal: „Du hast den Motorblock perforiert, Raym, nicht den Tank! Das auslaufende Öl hat den ganzen Boden versaut.“

Az: „Keine Sorge, ich hab’s mit der Jacke vom Pförtner aufgewischt.“

Gelal schüttelt den Kopf. „Du hättest wenigstens vorher den Pförtner aus der Jacke nehmen können, Az.“‘

Angesichts dieser Enthüllungen haben wir beschlossen, das Interview abzubrechen, bevor unser Herausgeber am Ende noch die Porscheschänder zu fassen bekommt. Da wir aus gegebenem Anlass aber finden, dass sich unsere Leser über diese Dämonenbrut informieren sollte, empfehlen wir nachfolgende Sekundärliteratur von Catalina Cudd.

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