Interview

„Bei Autorinnen werde ich schwach“ – Geständnisse eines Vampirs

Central Park in Sepia - Tony Fischer03/red-jg

Die Fifth Avenue ist ohnehin schon ein exklusives Pflaster. Dazu gehört auch eines der außergewöhnlichsten Gebäude direkt am Central Park, das 825. Bereits von der Straße aus fällt das hohe Giebeldach auf, das den Wolkenkratzer ziert. Damit wirkt das Gebäude viel mehr wie ein Haus aus dem Mittelalter als eines in einer modernen Großstadt.

Dennoch ist hier nicht nur eine exklusive Adresse, sondern auch eine höchst enigmatische. Nach außen hin ist dieses Gebäude eine der gediegensten Adressen in New York. Nur wenige wissen, dass die oberen zwanzig Stockwerke von Vampiren bewohnt werden. Und das oberste Stockwerk von einem Mann alleine – Luther Caine.

Ihn persönlich zu besuchen, wollte sich eigentlich unsere Chefredakteurin Jennifer nicht nehmen lassen. Leider ist sie kurzfristig verhindert und so obliegt es nun unserer Korrespondentin Emilia Chambers, sie würdig zu vertreten. Entsprechend nervös ist sie, als sie aus dem Aufzug steigt  und von einem der Männer empfangen wird, die die „Auserwählten“ heißen. Männer, die sich den Vampiren verschrieben habe. Emilia vermag sich nicht vorzustellen, warum.

fifth-ave (tripadvisor)Dies ist ihr Bericht:

Ich werde in ein exklusives, weiträumiges Loft geführt, wie man es von Schauspielern kennt – wären da nicht die ungewöhnlichen Artefakte an den Wänden und Regalen, die so gar nicht zu einem typischen Celebrity-Haushalt gehören. Gerade beuge ich mich über eine Tontafel mit Keilschrift, als der Gastgeber hereinkommt.

„Sprechen Sie Babylonisch?“, fragt er mit einer Selbstverständlichkeit, die mir ein Stottern abringt. Doch es gelingt mir, Fassung zu bewahren und zu fragen, wie es denn mit seinen Kenntnissen aussieht.

Er gibt zu, dass er inzwischen vieles davon vergessen habe, die Schrift aber nach wie vor beherrsche. Das Lächeln Luther Caines wirkt dabei mit einer Makellosigkeit aus dem Gesicht gemeißelt wie seine ganze Erscheinung. Der Mann ist zu perfekt, um echt zu sein. Zumindest nach menschlichen Maßstäben. Als er fragt, ob ich einen Eistee möchte, fühle ich mich zuerst wie im falschen Film, akzeptiere aber. Ich nehme auf dem angebotenen Sessel vor einem offenen Kaminfeuer Platz, das auch mitten am Tag brennt, und versuche, meine Gedanken zu sortieren.

 SWR III Thomas Knip - PortraitSW-R: Mister Caine, vielen Dank für das Interview. Sie sind ja bereits als Mäzen und Kunstförderer bekannt. Etwas ungewöhnlich für einen Vampir.

Luther Caine: Die Lebendigkeit, mit der sich die menschliche Kultur in den letzten 3000 Jahren entwickelt hat, hat nie aufgehört, mich zu faszinieren.

SW-R: Das heißt, Sie sind leben bereits seit über 3000 Jahren?

LC: Mehr oder weniger. Aber solange meine Aufgabe nicht abgeschlossen ist, denke ich über mein Alter nicht nach.

SW-R: Und die wäre?

LC: Die Menschen zu beschützen. Ihr Überleben zu sichern.

Ich rucke auf meinem Stuhl herum.

 SW-R: Eine etwas … ungewöhnliche Aufgabe für einen Vampir, wenn ich das sagen darf.

LC: Sie sichert uns seit Jahrtausenden das Überleben. Es sei denn, dahergelaufene Transsylvanier beschließen, ihre eigenen Regeln aufzustellen.

Ich räuspere mich.

SW-R: Sie sind also mit der Art und Weise Ihres bekanntesten Vertreters nicht einverstanden?

LC: Er war ein Verwandelter, kein Sohn des Mondes. Er hatte nicht einmal Ahnung vom Pakt, der uns mit den Menschen verbindet.

SW-R: Ja, dieser Pakt. Ich muss zugeben, er ist auch mir fremd.

LC: Und deshalb sind wir da. Wir haben ihn nicht vergessen. Und wir beschützen euch weiterhin.

Ich fühle mich zunehmend unwohler. Aber nicht wegen meines Gastgebers, sondern weil mich das Gefühl beschleicht, nun eine Bedrohung zu verspüren, die mir bisher nie bewusst gewesen war. Zeit für einen Themawechsel.

SW-R: Es gibt Gerüchte, Sie hätten sich mit Grace Porter, einer jungen Autorin, getroffen, die derzeit in Neuengland Urlaub macht.

LC: Ganz im Ernst? (Er nickt) Bei Autorinnen werde ich schwach. Ich … dachte, ich wüsste, was ich tue. Doch etwas an ihr … ich kann es nicht beschreiben. Ich genieße ihre Nähe.

SW-R: Das ist über die Jahrhunderte aber doch immer wieder ein Problem gewesen, denke ich mal. Ich meine, Menschen sterben. Also auch die Frauen an Ihrer Seite. Wie gehen Sie damit um?

Sein Gesicht verfinstert sich mit einem Mal auf eine Art, die mir einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Ich bereue meine Frage. Wie sich Jennifer geschlagen hätte? Dieses Interview ist viel fordernder als das mit Cassandra.

LC: Wenn Sie keine weiteren Fragen mehr haben, ist das Gespräch damit beendet.

Ich suche nach Worten, doch noch bevor ich sie finde, steht er auf und verlässt den Raum. Wie aus dem Nichts steht einer der „Auserwählten“ an meiner Seite und bittet mich höflich, aber bestimmt, zur Tür. Ich verfluche mich selbst für meine Unbedachtheit, da ich mir noch so viele Fragen aufgeschrieben habe. Aber ich kann nur zur Tür blicken, hinter der Luther Caine verschwunden ist und weiß, dass ich meine Chance hatte. Ohne herauszufinden, worin dieser Pakt besteht, an den er sich gebunden fühlt.

SWR III Thomas KnipHinweis der Redaktion:

Natürlich wird sich der Schattenwelt-Report bemühen, noch einen Termin mit Luther Caine zu bekommen. Doch wer bis dahin wissen möchte, wie es zu dem Zusammentreffen zwischen Luther Caine und Grace Porter kam und wie es weiter geht, kann dies im offiziellen Bericht tun, der dem Schattenreport vorliegt:

Marc Thomas – „Der Pakt der Nacht“

http://www.amazon.de/dp/B00RQOJKWM/

http://marc-thomas-autor.de/work/der-pakt-der-nacht/

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