Außenpolitik

Zwischen allen Stühlen – Stresstest für den Herrn der Zwischenwelt

Teatro olimpico - Mari (www.deviantart.com)

03/red-gg

Für diese Ausgabe hat Greta, der Neuzugang im Team des Schattenwelt-Reports für einen Bericht der ganz besonderen Art die lange beschwerliche Reise in die Unterwelt auf sich genommen, um Thanatos, dem Herrscher über Tod und Leben ein paar Fragen zu stellen, die die Menschheit schon seit sehr langer Zeit interessieren. Denn wer möchte nicht darüber im Bilde sein, was nach seinem Tod mit ihm passiert?

Vorab solltet ihr wissen, dass Amanda Frost nach einem Gespräch mit ihren beiden Protas aus „Vom Tod geküsst“ zu einer völlig neuen Erkenntnis gekommen ist: Im Jenseits gibt es eine Gewaltenteilung zwischen Gott, Luzifer und Thanatos. Thanatos ist der Herrscher der Zwischenwelt, zuständig für die sogenannten Fürsten der Dunkelheit. Diese holen die Seelen der verstorbenen Menschen auf der Erde ab und begleiten sie auf ihrem Weg in den Himmel oder die Hölle.

Seit Greta im Zuge ihrer Recherchen Sebastian (also einen dieser Fürsten der Dunkelheit) kennengelernt hat, sieht sie zumindest ihr Lebensende mit ganz anderen Augen. Also um es auf den Punkt zu bringen: der Tod kann doch zum Sterben schön, und höllisch scharf …

Aus gegebenem Anlass geben wir hier die Aufzeichnungen des von Greta geführten Interviews mitsamt ihren Anmerkungen im Originalwortlaut wieder:

Im Besprechungszimmer  der Unterwelt

Neugierig betrete ich ein Besprechungszimmer in der Unterwelt, in dem sich nichts befindet außer einem langen Marmortisch mit Stühlen und einem flimmernden Computerbildschirm an der Wand. Thanatos hockt selbstgerecht in einem Ohrensessel am Kopfende des Tisches und qualmt genüsslich eine Zigarette. Höflich bietet er mir einen Sitzplatz neben sich an, den ich sofort einnehme. Verwundert blicke ich auf das Equipment, das sich vor ihm ausgebreitet hat. Laptop, mehrere Handys, Tablets. Mannomann! Diese Unterwelt ist moderner als gemutmaßt.

Ich hoffe sehr, jede Menge Details von ihm zu erfahren, denn gemeinerweise hält Amanda einige Infos zurück, die sie erst im nächsten Buch preisgeben möchte. Thanatos mustert mich unter einer Kapuze hervor. Er wirkt jetzt schon genervt, obwohl wir  noch nicht einmal angefangen haben. Aber auch eine gewisse Hochmut liegt in seinen grauen gespenstischen Augen. Nein, mein Lieber so schnell jagst du mir keine Angst ein! Den Zahn werde ich dir ziehen! Ich zerre meinen Laptop aus der Tasche und bombardiere Thanatos gleich mal mit der ersten Frage:

death_by_kawaielli (www.deviantart.com)SW-R: Hallo Thanatos, nett, dass du dich für ein Interview zur Verfügung stellst. Äh, wie soll ich dich eigentlich anreden? Mit Hoheit, Herrscher, Herr Tod oder Euer Pestilenz?

Thanatos schluckt vernehmlich. Haha! Nun hat er sicherlich begriffen, dass ich nicht vor ihm kuschen werde.

Thanatos: Thanatos reicht. Meine Macht resultiert nicht aus Titeln, sondern aus meinen Fähigkeiten.

SW-R: Uhh, jetzt hast du mir aber Angst gemacht. Aber weißt du was? Dein Name klingt ganz schön altmodisch. Ich nenne dich einfach Thanni!

Er zieht hektisch an seiner Zigarette. Sein rechtes Augenlid zuckt. Anscheinend habe ich im wahrsten Sinne des Wortes einen Nerv getroffen.

Thanatos: Mach dich ruhig lustig über mich. Früher oder später kommt jeder bei mir vorbei, und dann ist das Geschrei immer groß!

SW-R: Will heißen?

Thanatos: Die üblichen Ausflüchte: Das muss ein Irrtum sein! Ich bin noch nicht dran! Was soll ich überhaupt hier? Und so weiter …

SW-R: Tja, Thanni, da hätte ich schon die erste Frage. Was genau macht ihr Fürsten der Dunkelheit eigentlich?

Thanatos: Ich heiße THANATOS! Aber um zu deiner Frage zurückzukommen: Das ist schnell beantwortet. Wenn deine Zeit gekommen ist, holen wir dich ab.

Ich fixiere scheinbar interessiert meine rot lackierten Fingernägel.

SW-R: Klingt sterbenslangweilig! Das ist alles?

Thanatos: Natürlich nicht! Die langweiligen Fälle überlassen wir den Todesengeln. Sie holen diejenigen ab, die auf normale Art und Weise sterben. Also durch Herz- und Organversagen oder Altersschwäche. Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn Unfälle, Morde oder Naturkatastrophen anstehen.

SW-R: Wow, das klingt schon fetziger! Ihr seid also Berufsmörder oder Assassine?

Nun pustet Thanatos hektisch kleine Rauchringe in die Luft. Volltreffer!

Thanatos: Natürlich nicht! Wir holen diejenigen ab, deren Name die Maschine auswirft. (Er weist mit einer Hand auf den Bildschirm an der Wand) Sie ist ein komplexes Computernetzwerk. Gottes Wille treibt sie an und sie bestimmt, wer wann den Löffel abgibt. Wir erschießen niemanden und werfen auch keine Bomben. Wir verursachen Unfälle, Katastrophen, Amokläufe. Und ab und zu stoßen wir Neunmalkluge wie dich vor den Bus.

Huch! Jetzt hat er es mir aber gegeben!

SW-R: Aha, dann komme ich doch gleich zu meiner nächsten Frage. Kann man da was drehen, Thanni? Damit man nicht gezogen wird. Oder ist das wie bei den Lottozahlen? So nach dem Motto: „Der Herrscher des Todes hat sich persönlich vom ordnungsgemäßen Zustand der Maschine überzeugt: Die heutigen Gewinner heißen: Müller, Meier, Schulze, etc.“

Thanatos: Ich glaube, du nimmst das nicht ernst genug. Und ich heiße THANATOS!

SW-R: Warum sollte ich? Du sagst doch selbst, ich kann den Zeitpunkt meines Todes nicht beeinflussen. Nicht wahr, Thanni?

Thanatos: Ich heiße … Ach, was soll´s! Mach nur so weiter und ich bringe dich höchstpersönlich um! Tja, aber dann stellt sich ja auch noch die Frage, wo du hinkommst?

SW-R: Oh, was für Alternativen gibt es denn?

Thanatos: Hast du eigentlich irgendetwas in der Schule gelernt? Himmel oder Hölle natürlich! Du bringst mich noch um mit diesen dämlichen Fragen

SW-R: Haha! Ich dachte, du wärst längst tot. Aber Spaß beiseite, wie wird man überhaupt ein Fürst der Finsternis, ein Engel des Todes, ein Rachegott der Apokalypse?

Thanatos: Naja, die Menschen, die Gutes getan haben, wandern in den Himmel, der Rest geht nach unten in die Hölle. Und die paar, die keiner haben will, oder bei denen die Maschine sich nicht entscheiden kann, wohin, die landen bei mir. Und sei dir über eines im Klaren, ein Spaß ist das nicht!

SW-R: Ja, aber besser als in der Hölle zu schmoren, ist es doch mit Sicherheit. Oder gibt es dort jeden Tag wilde Partys und Orgien?

Thanatos: Nun, die Hölle ist eben die Hölle. Ewiges Jammern und Klagen, Foltern und Quälen, Feuer und Schwefel.

Höllenhunde

In diesem Moment registriert meine Nase einen beißenden Geruch. Verwundert schaue ich um mich und entdecke auf dem Boden neben meinem Stuhl ein mopsähnliches Wesen. Huch! Wo kommt der denn her! Herrje, der Kleine hat ja Hörner auf dem Kopf! Und dann wird mir plötzlich heiß.

SW-R: Ach du liebe Güte! Meine Hose brennt! Ich bring dieses kleine Vieh um. Na warte, du Wurm!

Thanatos: (hält wie aus dem Nichts einen Feuerlöscher in der Hand) Halt doch mal still! Wir müssen das Feuer löschen. Der Kleine ist allergisch gegen lebende Menschen. Er ist schließlich ein Höllenhund. Und immer wenn er niesen muss, spuckt er Feuer.

Es zischt. Irritiert blicke ich Sekunden später auf den Schaum, der meine Hose bedeckt. Na herrlich! Wieder ein Designerstück weniger. Immerhin ist das Feuer gelöscht.

SW-R: Der kleine Mops? Ein Höllenhund? Der ist ja so niedlich. Soll der einen zu Tode kuscheln? Komm zu Mama, mein Süßer!

Thanatos: Neiiiiennnn! Nicht auf den Arm nehmen!

Ich greife nach dem Hund. In diesem Moment erschüttert eine leichte Explosion das Besprechungszimmer, das kurz darauf in Flammen steht.

SW-R: Autsch! Ist das heiß! Was ist denn hier los? Und wer ist der Typ mit den Flügeln?

Thanatos schüttelte ungläubig den Kopf und seufzt theatralisch.

Thanatos: Äh, das ist ein Todesengel.

SW-R: Und was hat er hier zu suchen? Der war doch eben noch nicht da.

Thanatos: Stimmt, er kommt, um dich abzuholen. Tja, was soll ich sagen? Du bist durch die Verpuffung gestorben. Ich habe doch gesagt, bleib von dem Hund weg!

SW-R: Wie? Aber, ich habe doch … Ich kann doch noch nicht… Ich muss schließlich noch das Interview veröffentlichen … Meine Zeit ist noch lange nicht um …

Thanatos: Habe ich es nicht gesagt? Immer die gleiche alte Leier. Ich glaube, ich brauche dringend Urlaub!

Nun bekomme ich zum ersten Mal doch ein wenig Angst.

SW-R: Und was passiert jetzt mit mir?

Thanatos: (Schaut auf sein iTod) Wenn ich das hier richtig lese, kommst du in den Himmel. Aber du hattest Glück im Unglück! Nur weil du Amanda helfen wolltest, hast du nochmals die Kurve gekriegt. Ansonsten wäre es jetzt nach unten gegangen!

Ich wusste doch schon immer, dass der Beruf als Schattenweltreporterin gefährlicher ist als vermutet. Neugierig beäuge ich den großen blonden Typ mit den Flügeln, der mir durchaus gefallen könnte. Doch dieser reagiert nicht. Da erst bemerke ich, dass er ein Handy am Ohr hat und telefoniert.

SW-R: Sag mal, Goldlöcken, ich hoffe doch bei euch da oben gibt es Bücher!

Thanatos wendet sich nun ebenfalls dem Engel zu.

Thanatos: Ich halte das nicht mehr aus! Bring sie endlich hier weg oder ich vergesse mich!

Todesengel

Der Engel steckt lässig das Handy in seine Jeans. Dann schmunzelt er. Meine Güte! Ist der süß!

Engel: Äh, Thanni! Ich soll dir mitteilen, dass weder Luzifer noch Gott sie wollen. Sie wird wohl vorerst bei dir bleiben. Und der erste weibliche Fürst, ähhh … Fürstin der Dunkelheit werden.

Thanatos: Aaahhhhhhhhh! Meine persönliche Hölle! Ich bringe mich um!

Mit diesen Worten packt Thanatos seinen Höllenhund und löst sich mit ihm in Luft auf. Damit ist dieses Interview wohl beendet. Tja, was soll ich sagen?

Da fällt mir auf, dass ich ja nun mit dem Engel alleine bin. Ich blicke ihn eindringlich an. Prompt zwinkert er mir verführerisch zu. So, ich werde mich dann mal für heute von euch verabschieden und nun auf eine ganz andere Art und Weise Recherche betreiben.

Eure Schattenweltreporterin Greta

Anmerkung der Redaktion:
Gretas Besuch in der Zwischenwelt ist zwar nicht ganz so gelaufen, wie wir vom Schattenwelt-Report und das vorgestellt haben, aber dafür wird Greta in Zukunft sicherlich viele interessante Neuigkeiten für uns parat haben.
Da zu befürchten steht, dass Greta sich in ihrem neuen Zuhause allzu leicht von ihren Reporterpflichten ablenken lässt und zudem auch die Kommunikation im weltenüberschreitenden Verkehr regelmäßig Schwierigkeiten bereiten, empfehlen wir allen Interessierten zur weiterführenden Lektüre den sehr lesenswerten Enthüllungsbericht von Amanda Frost, der ja auch Anlass von Gretas selbstloser Recherche war.

SWR III Amanda Frost - Vom Tod geküsst

Amanda Frost – Vom Tod geküsst.

Wofür lebst du, wenn du längst gestorben bist?

Packende Fantasy, prickelnde Erotik und eine Liebe, die sich über den Tod hinwegsetzt.

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