Interview

Lone Wolf – Zu Besuch bei einem alleinerziehenden Werwolf

Werwolfhaustür

01/red-kn-jg

Zwischen Kauknochen und Karriere

Zu diesem Interview, dass uns von Lilly Labord vermittelt wurde, trafen wir uns auf der sonnigen Dachterrasse eines schicken Appartements in Frankfurt Bockenheim.

Schon an der Haustür schlug uns fröhliches Hundegebell entgegen – nun, das ist bei Werwölfen nicht völlig überraschend. Hereingebeten wurden wir aber von einem großen, breitschultrigen Mann mit zerzaustem Haar, der uns dann auf der Dachterrasse in bequemen Sesseln unter einem großen Sonnensegel Platz nehmen ließ, um uns vor dem Frageteil noch mit Cocktails zu versorgen.

Selbstverständlich mit alkoholfreien, wir waren ja dienstlich hier!

 

Wolf Pup by Opium01 (www.deviantart.com)

 

SW-R: Herr Weydt, vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, mit dem Schattenwelt-Report über den Alltag eines alleinerziehenden Werwolfs zu sprechen.

Eckhardt: Sagen Sie bitte Eckhardt zu mir, das ist persönlicher.

Jennifer und Kay wechseln einen belustigten Blick, Eckhardt war in seiner Schüchternheit wirklich sehr charmant.

SW-R: Ich selbst bin ja Mutter eines kleinen, sehr lebhaften Sohnes, wie soll ich mir das dann mit einem Werwolfwelpen vorstellen?

Eckhardt: Ja in der Tat ist es so, dass ich fünf Kinder habe…

SW-R: Fünf?!

Eckhardt: Ja. Eins davon ist ein manifester Werwolf.

SW-R: Das bedeutet, soweit wir wissen, dass der Kleine in der Kampfform des Werwolfs verbleibt, also anders als üblich nicht die Gestalt wechselt.

Eckhardt: Ja. Das ist auf rezessive Gene zurückzuführen.

SW-R: Ist das im Alltag nicht sehr schwierig, mit so einem Kind kann ja fast nicht auf die Straße gehen.

Eckhardt nickt und seufzt leidgeprüft.

Eckhardt: „Natürlich ist es nicht einfach, aber mit der Zeit entwickelt man seine Strategien. Zum Glück ist unser Kleiner sooooo süß.“

Zum Beweis zückt er sein Handy und zeigt uns dort ein Bild eines… äh … kleinen manifesten Werwolfs. In der Tat, sehr süß, soweit man das unter den Wuschelhaaren sicher sagen kann. Während Kay noch stirnrunzelnd versucht, Details  zu erkennen, ist es bei Jennifer Liebe auf den ersten Blick.

 

SW-R: „Nein, wie drollig der schaut! Der ist ja wirklich zum Fressen.“

Eckhardt: „Das hätte ich dann doch nicht so gerne.“

Sittsam erinnern wir uns an unsere Pflicht und setzen uns wieder.

Nach kurzem Räuspern greift Jennifer den Faden auf.

SW-R: „Und wie geht es mit den vier anderen Kindern?“

Eckhardt: „Meine anderen Kinder sind Werwölfe, wie man es sich vorstellt. Sie erscheinen meist in menschlicher Gestalt, aber mit der Pubertät beginnen sie, sich wie Erwachsene zu verwandeln.“ Er grinst. „Sie können sich vorstellen, dass die Pubertät bei meiner Rasselbande unter diesen Umständen etwas stressiger verläuft als ohnehin schon.“

SW-R: „Eckhardt, und das managen Sie ganz alleine oder hilft Ihnen dabei das Pack, also Ihr Werwolfsrudel?“

Eckhardt: „Leider musste ich aus Gründen, auf die ich hier nicht eingehen möchte, eine Weile auf jegliche Hilfe verzichten.“ Er lacht unsicher. „Man könnte sagen, ich war sowas wie ein einsamer Wolf.“

SW-R: „War?“  Auf Jennifers Investigativjournalismus ist eben Verlass. Sofort verbeißt sie sich wie ein Terrier. „Heißt das, Sie sind jetzt nicht mehr allein?“

Eckhardt errötet.

Eckhardt: „Glücklicherweise durfte ich die Frau meines Lebens kennen lernen, die meinen verwaisten Kindern wie eine Mutter ist. Und ich habe neuerdings auch wieder die Unterstützung der Werwölfe. Sie können mich einen rundum glücklichen Mann nennen.“

SW-R: „Da gratulieren wir natürlich von Herzen. Trotzdem würde unsere Leser sehr interessieren, wie denn nun der Alltag bei Werwolfs so aussieht? Wird da statt Müsli Tatar serviert und statt  Babypuder Flohpulver oder wie sollen wir uns das vorstellen?

Eckhardt: „Flohpulver habe ich für meine Kinder bisher noch nicht gebraucht, aber mit dem Tatar haben sie mich natürlich. All meine Kinder haben einen gesunden Appetit und ein Frühstück unter 800g Tatar kommt bei uns nicht auf den Tisch. Aber natürlich auch Obst und Eiswaffeln. Auf die sind meine Kinderganz verrückt. .

SW-R: „Das ist ja dann auch nicht gerade billig. Wie bestritten Sie denn bislang Ihren Lebensunterhalt. Kind und Beruf ist ja schon in der Normwelt für alleinerziehende Elternteile durchaus anspruchsvoll. Wie geht das in den Schatten?“

Eckhardt: „Aus Gründen der Diskretion kann ich meinen Arbeitgeber nicht nennen, aber ich kann Ihnen sagen, dass ich Teilchenphysiker bin. Das sichert mir sowohl ein gutes Einkommen als auch eine gewisse Flexibilität in Bezug auf meine Zeiteinteilung. Was für einen Werwolf ja ohnehin einmal im Monat außerordentlich wichtig ist.“

Kay und Jennifer seufzen verstehend.

SW-R: „Und wie kommt eine Normwelt-Bürgerin jetzt mit ihrem Werwolfhaushalt zurecht? Das ist doch bestimmt gerade zur passenden Mondphase auch nichteinfach? Verwandelt sich dann die ganze Familie gleichzeitig, oder wie läuft dasab?“

Eckhardt: „In der Tat ist das schwierig. Zum Glück sind bisher nur meine beiden Großen in der Pubertät. Aber was meine Frau angeht – ich weiß nicht, bei ihr wirkt immer alles so selbstverständlich und einfach. Sie leistet Großartiges und gibt mir dabei das Gefühl, dass wir eine ganz normale Familie sind.“

SW-R: „Na, in den Schatten sind Sie das ja eigentlich auch. Bis auf den manifesten Werwolf vielleicht. Wie gehen Sie mit dem um?“

Eckhardt überlegt. „In den Schatten ist das zwar unhandlich, aber eigentlich kein Thema. In der Normwelt hingegen müssen wir zu bestimmten Strategien greifen, und dazu gehört, dass wir einen Behindertenausweis für unseren Kleinen beantragt haben. Das erleichtert einem Vieles. Aber an den Gedanken musste ich mich erst einmal gewöhnen, wie bestimmt jeder Vater in meiner Situation nachvollziehen kann.“

Jennifer und Kay nicken beide. Der Teufel lauert doch immer im Detail.

SW-R: „Eckhardt, wir bedanken uns für dieses sehr aufschlussreiche Interview und die köstlichen Cocktails. Gerne würden wir das Gespräch nochmals mit Ihrer Familie zusammen fortsetzen. Gerade der Brückenschlag zwischen Schatten- und Normwelt ist für unsere Leser ja sehr interessant.“

Eckhardt: „Ich dachte sowieso, dass Sie zum Abendessen bleiben…“ Er wirkt bestürzt.

Kay und Jennifer schauen sich ratlos und nicken dann. Es ist ja schon wirklich Zeit zum Abendessen geworden. Kay fragt leicht besorgt: „Kann ich mein Fleisch durch haben?“
Erfreut nickt Eckhardt . „Kein Thema, mein ältester Sohn Tomtom mag es auch nur welldone.“

Kay grinst. „Extremely welldone!“

 

lilly CoverNatürlich interessiert uns, wie sich Eckhardts Familie weiterentwickelt und Jennifer weißt völlig zu Recht daraufhin, dass Kay vor lauter Cocktails nicht investigativ genug nachgefasst hat, wie genau Eckhardt an seine Bea vermittelt wurde. Wer nicht warten will, bis wir das nachgeholt haben, dem sei der Bericht von Lilly Labord empfohlen, die das aus größter Nähe miterlebt hat und in „Kein Brautstrauß für Vampire“ genüsslich ausplaudert…

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Ein Kommentar zu “Lone Wolf – Zu Besuch bei einem alleinerziehenden Werwolf

  1. Pingback: Frisch vom Wolfwalk – Styling-Tipps für Werwölfe | Schattenwelt-Report

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