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Eine Frage des (Führungs-)Stils – Im Gespräch mit Vampirkönigin Cassandra

frodo put the ring on

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Der Schattenwelt-Report hat es sich zur Aufgabe gemacht, unzensiert über die Welt der Schattenwesen zu berichten. Dass das nicht immer leicht sein würde, war dem Redaktionsteam schon von Anfang an bewusst.

Als aber die rechte Hand der Vampirkönigin auf uns zutrat, mit der Aufforderung Bitte um einen Interviewtermin für seine Herrscherin, wurde uns etwas mulmig. Schließlich ist Cassandra doch für ihr aufbrausendes und unnachgiebiges Wesen bekannt.

Bernhard, Cassandras Sekretär, leitet uns in das edle Empfangszimmer. Während wir auf sie warten, betrachten wir die dunklen Möbel aus massivem Holz. Sie passen hervorragend zu den cremefarbenen Seidentapeten.

Wir spüren sofort, dass die Königin näher kommt. Ihre pulsierende Macht bringt die Luft zum Schwingen und lässt uns erbeben. Als sich die Tür öffnet, schrecken wir aus den Polsterstühlen hoch. Die Frau, die uns entgegentritt, hat kurze rote Haare, die mit ihrem grünen Kleid harmonieren.

lady on a balcony - vampiredarlla (www.deviantart.com)

lady on a balcony – vampiredarlla (www.deviantart.com)

Sie nimmt unsere Begrüßung mit einem Nicken hin und lässt sich am anderen Ende des ovalen Tisches nieder.

Vor uns liegt ein Zettel, mit Fragen, die wir stellen dürfen …

Jennifer räuspert sich, dann liest sie die erste Frage ab:
»Eure Hoheit, wie lange seid ihr bereits auf dem Thron?«

Cassandra winkt ab: »Diese Zeitspanne können Normweltler sich nicht einmal vorstellen. Doch um genau zu sein, es sind wohl um die zwei bis dreitausend Jahren. Irgendwann hört man auf mitzuzählen. Aber das ist ja auch egal. Hauptsache mein Volk weiß wem es gehorchen muss.«

Die nächste Frage, die wir von dem Zettel ablesen, findet offensichtlich ihr Gefallen, denn sie lächelt. Trotzdem läuft uns ein Schauder über den Rücken …  »Was zeichnet Eurer Meinung nach einen guten Führungsstil aus?«

»Ich setze auf Durchsetzungsvermögen!« Sie lehnt sich in ihrem Stuhl zurück und nickt zur Bekräftigung ihrer Worte. »Man muss jederzeit erhaben auftreten und das gemeine Volk wissen lassen, dass es mit keinem Vergehen gegen meine Gebote lebend davonkommen wird. Wobei mir durchaus noch bessere Strafen einfallen würden, um Verräter zu bestrafen…«

 

Die Situation wird etwas angespannt, denn Kay traut sich eine Frage zu stellen, die nicht auf dem Zettel steht, den wir von Cassandras Assistenten erhalten haben. »Ihre Königliche Hoheit, was sagt ihr zu den letzten Geschehnissen in eurem Königreich?«

Cassandra hebt eine Augenbraue und mustert uns gründlich, bevor sie antwortet: »Welche Geschehnisse?« Der honigsüße Klang ihrer Stimme bekommt einen scharfen Unterton.

Doch wir wären nicht der Schattenwelt Report, wenn wir für die umfassende Information unserer Leser nichts riskieren würden. Schnell hakt Jennifer nach: »Es gehen Gerüchte um, dass die Schattentänzerin … zur Emanzipation aufruft.«
Kay zieht unwillkürlich den Kopf zwischen die Schultern. Ob die Edelstahl-Halskrause uns vor ihrem Zorn schützt?

 

Doch Cassandra verzieht die Lippen nur zu einem amüsierten Grinsen statt unsere Körper blutleer zu machen. Wir hoffen, sie erinnert sich an das Abkommen von Bukarest, in welchem beschlossen wurde, das journalistische Aufklärungsmitarbeiter nicht zu behelligen sind!
»Oh, keine Sorge. Ich habe weitere Untergebene mit speziellen Fähigkeiten, die sorgen gerade dafür, dass das Schattenmädchen bald der Vergangenheit angehören wird.«

 

Auf unseren Zungen brennt erneut eine Frage, die nicht auf dem Zettel steht. Im Allgemeinen steht da kein einziger interessanter Punkt drauf. Und wieder kann uns unser Verstand nicht abhalten:
»Eure Mutter, Lilith, soll von euch vom Thron verstoßen worden sein. Warum habt ihr eure eigene Mutter verraten?

Cassandra verengt die Augen und schüttelt langsam den Kopf:
»Ihr könnt es nicht lassen, oder?«
Wir bilden uns ein, etwas Anerkennung für unsere Dummheit unseren Mut in ihren Augen zu sehen.
»Ich mag risikofreudige Menschen. Deshalb werde ich auf diese Frage antworten: Meine Mutter wurde schwach. Vielleicht passiert das mit den Jahren. Doch als Königin der Vampire kann man sich weder Schwäche noch Nachgiebigkeit erlauben. Dass Lilith das jahrhundertelange Verbot von männlichen Vampiren aufheben wollte, konnte ich nicht zulassen.«
Auf ihre Worte folgt ein Lächeln, dass ihre spitzen Eckzähne entblößt. In diesem Moment sind wir beide froh Frauen zu sein …

Doch da gerade das Verbot, dass keine männlichen Vampire existieren dürfen, die Schattenwelt entzwei teilt, fragen wir nach: »Warum muss diese Anordnung weiterhin fortbestehen, Eure Königliche Hoheit?«

 

Sie zuckt nur mit den Schultern, als wäre der Grund dafür klar.
»Männer sind Tiere.«

Nach einem kurzen Blickwechsel sind wir uns einig, dass wir nachhaken müssen. Das sind wir den Lesern unseres Reports schuldig! »Würdet ihr bitte etwas ins Detail gehen?«

Doch die Königin hält dies wohl für unnötig, denn sie verdreht die Augen. Mit der Hand fährt sie durch ihre kurzen Haare, bevor sie sich mit einem theatralischen Seufzen wieder an uns wendet.
»Diese Kriege, die in unregelmäßigen Abständen die Völker der Erde heimsuchen. An nahezu allen großen Konflikten waren nur Männer als Drahtzieher beteiligt. Ohne männliche Menschen gäbe es deutlich weniger Kriege, denn Frauen sind vom Prinzip her schon diplomatischer und nach Frieden gesinnt.«

 

 

Da sie das Thema gerade auf die Normwelt lenkt, haken wir hier gleich nach: »Wie informiert Ihr Euch über die Vorgänge in der Normwelt?«

»Solange sie mich nicht direkt betreffen, interessieren sie mich nicht. Aber zum Beispiel die Erweiterung der Ladenöffnungszeiten 1996, ist insbesondere für meine lichtempfindlichen Untertanen eine wahre Bereicherung. Leider haben gerade meine jungen Vampirinnen, die Neigung dazu eine Sonnenallergie zu bekommen, die erst mit den Jahren verschwindet«, erklärt sie uns und nimmt einen Schluck aus dem schweren Kristallglas vor sich, dass Bernhard lautlos hereingetragen hat.

 

Kay nimmt sich als Nächstes eine der erlaubten Fragen auf dem Zettel vor:
»Hat die Aufmerksamkeit, die Jennifer J. Grimms Bericht »Zwischen Blut und Schatten« auf die Schattenwelt gelenkt, hat, Euren Alltag verändert?«

Nachdem sie ihr Glas elegant auf dem silbernen Tablett abgestellt hat, schüttelt Cassandra den Kopf: » Da die Normwelt diesen Bericht als Fiktion ansieht, kann ich weiter unbehelligt über mein Volk regieren. Es kommt nur sehr selten vor, dass mich jemand aufsucht – vorzugsweise aber leider Vampirjäger. Je nachdem wie meine Laune steht, landen sie einer Irrenanstalt – die Normwelt tut solche Menschen glücklicherweise als Spinner ab- oder mein Durst wird gestillt.

 

»Öffentlichkeitsarbeit ist für die Schattenwelt ein sehr schwieriges Thema, seid Ihr persönlich eher für eine offene oder eine restriktive Kommunikationspolitik?«, fragt Jennifer und wartet mit gezücktem Kugelschreiber auf eine Antwort.

Die Königin seufzt, bevor sie antwortet: »Ich bin da momentan noch zwiegespalten. Solange meine Untertanen und ich in Ruhe gelassen werden, bin ich so zufrieden, wie es gerade ist: Die Normwelt ahnt nichts von unserer Existenz mitten unter uns und hält und für Fantasie. Allerdings kann ich durchaus dem Gedanken etwas abgewinnen, auch über die Normwelt zu herrschen …«

 

Doch bevor die mächtige Vampirin weiter über diese Idee nachdenken kann, versuchen wir das Thema zu wechseln: »Wie haltet Ihr Euch so unfassbar attraktiv und stark? Gibt es da spezielle Diätempfehlungen?«

»Als Tochter der ersten Frau Adams, ist mir die weibliche Attraktivität bereits in die Wiege gelegt worden. Meine Diätempfehlung ist das Blut von Männern, die fit sind und keine Drogen nehmen. Da ich Abwechslung bevorzuge, nehme ich auch gerne von jungen Frauen. Ob so oder so, dank meines Aussehens, habe ich keinerlei Probleme an Nahrung zu gelangen.« Bei den letzten Worten verengt sie die Augen und mustert uns.

Wir wechseln einen schnellen Blick und beschließen wortlos: Der Aufklärung ist damit genüge getan! Abkommen von Bukarest hin oder her, als Drink der Königin wollen wir nicht herhalten!

Deshalb bedanken wir uns schnell für das Interview und stopfen unsere Notizblöcke in unsere Taschen, bevor wir als Mitternachts-Snack enden …

Wer sich gleichwohl noch weiter über Cassandra oder auch ihre (wenigen) Kritiker informieren will, für den hat Jennifer ausgesprochen unerschrocken weitere Infos bereit gestellt:

oder auch in Jennifers persönlichen Unterlagen auf ihrer Homepage.

Zwischen Blut und Schatten ebook

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4 Kommentare zu “Eine Frage des (Führungs-)Stils – Im Gespräch mit Vampirkönigin Cassandra

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