Science

Aether – die geheimnisvolle Substanz

Anja Bagus Aether

Aether – faszinierend und geheimnisvoll

01/red-kn

Bekanntlich ist die Schattenwelt sehr vielschichtig. Einem der faszinierendsten Forschungsgebieten hat man in Baden-Baden eine eigene Behörde errichtet: Das Amt für Aetherangelegenheiten, das sich der Erforschung des Aethers, einer geheimnisvollen Energieform mit ungeahntem Potential, verschrieben hat.

Der SW-R war daher höchst erfreut, sich vor Ort über den Stand der auch für die Schattenwelt sehr bedeutungsvollen Forschungen zu informieren. Sehr gespannt also meldete unsere Redakteurin Kay sich beim Amt für Aetherangelegenheiten und wurde dort auch freundlich empfangen und vom Empfang zu einem Büro im ersten Stock geführt.

Auf das Klopfen des Rezeptionisten erklingt ein freundliches „Herein“, auf das hin Kay durch die Tür geschoben wird.
„Gestatten, Paul Falkenberg ist mein Name“, sagt der Mann hinter dem Schreibtisch. Nachdem er unsere Redakteurin mit einem angedeuteten Handkuss begrüßt hat, setzt er sich hinter seinen Schreibtisch und strich sich durch die braunen Haare, die aber sofort wieder in ihre alte, etwas strubbelige Frisur zurücksprangen. „Was kann ich für Sie tun?“
„Herr Prof. Falkenberg“, stammelt Kay los. Dass wissenschaftliche Kompetenz so überaus lecker verpackt sein kann, hatte sie nicht erwartet.
„Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für den SW-R genommen haben. Könnten Sie unseren Lesern zunächst Ihre Arbeit im Amt für Aetherangelegenheiten kurz erläutern? Der eigentliche Grund unseres Gesprächs ist es ja, Aether und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten speziell auch für realisierungsferne Spezies darzustellen. Wie bewerten Sie persönlich das Potenzial dieser Substanz?“
Paul Falkenberg lächelt. „Zunächst einmal, bin ich kein Professor“, sagt er und holt etwas aus seiner Anzugtasche.
Nervös beobachtet Kay jede seiner Bewegungen und versucht sich – mäßig erfolgreich – an die gebotene Sachlichkeit zu erinnern. Will er schon auf die Uhr sehen? Das Interview hat doch gerade erst begonnen?
Tatsächlich legt er so etwas wie eine Taschenuhr aus Messing auf den Tisch und tippt mit dem Finger darauf.
„Ich bin allerdings tatsächlich im Amt für Aetherangelegenheiten angestellt. Wie Sie sehen, haben wir hier in Baden-Baden ein wunderbares großes Gebäude bekommen, wo wir endlich die Forschungen über die immer noch zu großen Teilen mysteriöse Substanz bündeln und weiterführen können.“
Die Messinglinse wackelt und Beine entfalten sich klickernd. Lange Fühler zucken durch die Luft und dann öffnet sich die Abdeckung an einem Saum in der Mitte. Sie klappt nach beiden Seiten auf und enthüllt, dass sie auf der anderen Seite mit bunter Emaille bedeckt ist. Nun ist es keine Taschenuhr mehr, sondern ein Schmetterling, der zunächst scheinbar nachdenklich seine Flügel auf und zuklappt.
„Wir haben hier drei Stockwerke“, erklärt Herr Falkenberg, von Kays großen Augen völlig unbeeindruckt, weiter. „Im Keller befinden sich die Räume für die Exekutiven, unsere Soldaten, die Männer, die bei Notfällen sofort ausrücken.“
„Wenn es mit einem Verdorbenen Ärger gibt“, fragte Kay vorsichtig nach. Soweit sie weiß, ist man beim Amt für Aetherangelegenheiten den meisten Paranormalen gegenüber traditionell eher skeptisch eingestellt.
„Der offizielle Terminus lautet ‚Veränderte'“, berichtigt Paul Falkenberg aber geduldig. Er hat das wohl schon oft gesagt. Der Schmetterling krabbelt ein paar Schritte und fliegt dann auf.
Unglaublich!
„Im Erdgeschoss ist die Registratur. Dort werden alle Vorkommnisse aufgenommen und eingeordnet.“

Er hält seinen Finger in die Luft und der Schmetterling landet darauf. Sein Gesicht, das auf den ersten Blick etwas zu schmal und bleich erschien, wird jetzt warm und weich. Er tastet nach einem Schraubenzieher, aber bevor er damit dem Metalltierchen zu Leibe rücken kann, fliegt es wieder davon.

Paul Falkenberg räuspert sich und spricht weiter: „Wir sind hier im ersten Stock. Hier sind die Räume der Beamten und ihrer Vorgesetzten, und eben auch meiner. Unter dem Dach sind die Labors, wo weiter geforscht wird.“

Der Schmetterling setzt sich auf Kays Schulter. So nah an ihrem Ohr kann sie den Mechanismus im Inneren klickern hören und hält unweigerlich die Luft an.

„Wie funktioniert das?“, haucht sie staunend.

„Mit Aether natürlich. Es gibt eine Kammer in ihrem Inneren, Meine Frau, Annabelle Rosenherz – jetzt natürlich Falkenberg – nennt sie ‚Aetherherzen‘. Ich habe früh mit dem Studium des Aethers als Antrieb für meine Mechaniken begonnen. Dabei habe ich festgestellt, dass der Aether oft Effekte hervorruft, die ich mir wünschte. Manche nennen es Magie …“

Er tippt mit dem Schraubenzieher auf den Schreibtisch und der Schmetterling kehrt zu ihm zurück. Mit einer schnellen Bewegung deckt er ihn ab, hält ihn in der Hand und drückt dann einen Knopf, der daraus wieder eine verzierte Messinglinse macht. Lächelnd steckt er das Wunderwerk wieder in die Tasche und spielt dann mit dem Schraubenzieher.

Kay beobachtet fasziniert jede seiner Bewegung, räuspert sich dann aber ungeduldig.

„Entschuldigung“, sagt er. „Ich dachte plötzlich … aber ich schweife ab. Der Aether, ja. Ich führe Sie nachher einmal herum, dann treffen wir einige Wissenschaftler, die können Ihnen mehr dazu erzählen. Ich bin selbst nur Kunsthistoriker und auf Umwegen hier zum Amt gekommen.“

„Ihr Frau ist selbst eine Veränderte“, hakt Kay etwas enttäuscht nach.

„Ja“, bestätigt Falkenberg. „Sie hat eine grüne Hand, mit der sie einige besondere Dinge kann. Das ist eine Art der Veränderung. Die weitaus bekannteren sind die Tiermenschen, also zum Beispiel die -vielleicht manchmal zu Unrecht gefürchteten- Mannwölfe. Aber es gibt auch viele andere Veränderungen. Niemand weiß, warum manche betroffen sind, und andere nicht.“

Jetzt blitzt Zorn in seinen Augen auf. „Sie haben sicher schon von schlimmen Vorkommnissen bezüglich der Veränderten gehört; es wurde auf sie geschossen, und auch meine Frau ist selbst sehr schlecht behandelt worden. Aber seit es das Amt gibt, kommt so etwas nicht mehr vor.“

„Ist der Aether ein Fluch oder ein Segen?“, fragt Kay im Dienste des SW-R.

„Nun, Aether ist eine Energiequelle, ohne ihn gäbe es keine Luftschiffe und viele andere Dinge …“

Seine Stimmlage verändert sich etwas und nimmt einen offiziellen Unterton an.

„Ich zitiere hier den Reichsbeamten Dr. Karl Burger für Großherzog Friedrich II. von Baden im Vorwort des Gründungsberichts des ‚Amtes für Aetherangelegenheiten‘. Aether steigt seit dem 1.1.1900 weltweit als grüne Substanz über Gewässern auf. Er kann gesammelt und raffiniert werden. So wird er in Fässern komprimiert als Antrieb für Luftschiffe genutzt. Seine genaue Natur ist unbekannt. Er ist zunächst ein Gas, komprimiert wird er sehr viskos.
Es ist schwierig, ihn zu untersuchen, da die Qualitäten auch stark voneinander abweichen. So scheint es, dass die großen Raffinerien am Rhein einen minderwertigen und aggressiveren Aether fördern, als andere, kleinere Betriebe im Schwarzwald zum Beispiel.
Aether verändert Menschen, Tiere und die Natur. Es werden gebietsweise typische Veränderungen zu Wesen aus dort vorkommenden Sagen und Legenden beobachtet. So kommen Harpyen nur in Griechenland vor, Nagas nur in Indien und Sasquatche in Nordamerika. Andere Veränderungen sind weiter verbreitet, so wie Mannwölfe oder Naturgeister wieDryaden, Nymphen, etc.
Gängige Schutzmaßnahmen sind Atemmasken und andere dichte Kleidung. Die Kirchen behaupten, Gebete und ein entsprechendes Leben nach den Glaubensgrundsätzen reiche auch als Schutz. Keine der beiden Maßnahmen sind wissenschaftlich nachgewiesen hilfreich. Manche Menschen wandeln sich schnell und gründlich, andere haben nur wenige, teilweise auch unsichtbare Fähigkeiten.
Die lebendig gewordenen Gargoyle am Kölner Dom zeigen den Einfluss der Substanz auf tote Materie. Warum die Toten auf den Friedhöfen Kölns aufgestanden sind, ist auch noch völlig ungeklärt.
Aether wird trotz seiner Gefährlichkeit vielfältig eingesetzt. Jeden Tag werden neue Anwendungsmöglichkeiten in Industrie und Haushalt erforscht und es ist kein Ende abzusehen. Wie die Welt mit den gesellschaftlichen Problemen umgeht, steht da auf einem ganz anderen Blatt.
Deshalb haben wir das Amt gegründet, um möglichst alle Aspekte zu beleuchten und das Land Baden und die Welt besser in das neue Zeitalter zu führen.“

Er beendet seine lange Rede etwas schuldig lächelnd.

Kay lächelt. „Herr Falkenberg, ich bedanke mich herzlich für diese Einführung und freue mich bereits, das Interview mit einem Rundgang durch das Amt für Aetherangelegenheiten fortsetzen zu dürfen. Unsere Leser aus der Schattenwelt, wie auch aus der Normwelt sind naturgemäß sehr an Ihren Forschungen und Erklärungsansätzen interessiert.“

– Fortsetzung folgt (schon weil Kay den heißen Wissenschaftler unbedingt nochmal besuchen will) –

Wer nicht solange warten will, kann sich hier dank Anja Bagus mitreißender Bücher weiter informieren:

Fortuna-Geschichten aus der Aetherwelt

und ganz bald ganz neu:
Waldesruh (Aetherwelt-Roman)

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